Bangkok – Emmenbrücke 28.06. – 09.07.2013

Unseren letzten gemeinsamen ride2east – Tag verbringen wir mit dem Organisieren von Vrenis Rückflug.
Die erste Herausforderung ist das Finden eines genug grossen Taxis für den Fahrradtransport und weil Swiss dieses nur in einer Box oder speziellen Fahrradtasche transportiert, müssen wir mit der Metro zur Firma Pro Bike düsen, um dort eine leere Fahrradschachtel zu ergattern. Weil sich der Hauptakteur aber noch im Service befindet, können wir diesen erst nachmittags abholen und wie es so ist, wenn man im Stress ist, klappt nicht immer alles. Der gute Rikshaw-Fahrer verwechselt die Adresse und will uns an einen komplett andern Ort abladen. Doch nix da, wir haben keine Zeit für eine Sightseeing-Tour und er muss uns für den gleichen Preis zum Bikeshop bringen.

Um 5pm werden wir vom Taxifahrer beim Hotel abgeholt, welcher sich über eine Stunde lang durch den dichten Freitagsverkehr bis zum internationalen Flughafen kämpft. Hier bleibt uns nur noch wenig Zeit, denn schon um 9pm heisst es definitiv Abschied nehmen. Nach über einem Jahr, fast 24 Stunden zusammen, verschwindet Vreni über eine Rolltreppe im Flughafeninnern und taucht kurze Zeit später hinter einer grossen Glasscheibe vor der Zollkontrolle wieder auf. Fast ein wenig wie bei Big Brother, nur dass sie Thailand ohne die Abwahl der Zuschauer verlässt.

Ein Rumpeln lässt mich aus meinen Träumen hochschrecken als die Maschine auf der Landebahn aufsetzt. Nach elf Stunden Flugzeit bin ich in Zürich-Kloten gelandet. Mein Herz schlägt bis zum Hals, denn ich bin mehr als nur nervös. Bald bin ich wieder zuhause. Ich habe zwar während der letzten Zeit versucht mich auf diesen Moment vorzubereiten, doch wenn man so weit weg ist, kann man dies doch nicht ganz richtig. Zum letzten Mal nehme ich meinen treuen Begleiter nach einem Flug in Empfang und stelle das Gepäck auf den Rolli. Mit dem Wissen, dass die Reise nun definitiv zu Ende ist, schreite ich mit einem dicken Kloss im Hals durch die Ankunftshalle. Von weitem schon höre ich meine mich empfangende Familie und wir fallen uns mit Tränen in den Augen hinter der Besucherabschrankung in die Arme. Zuhause wartet die nächste Überraschung, denn meine Freunde stehen allesamt in der Stube und begrüssen mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. So macht Heimkommen Spass.

Seit mehr als einer Woche bin ich nun wieder daheim und ich habe mich gut eingelebt. Ich habe mittlerweile mehrmals gemütlich mit meinen Girls gefrühstückt, viele Reisefragen beantwortet, den Arbeitsvertrag unterschrieben, eine Agenda gekauft und Termine eingetragen, Wäsche gewaschen und Fenster geputzt (ich habe es nicht verlernt).

Auch mit dem Auto habe ich mich auf die Strasse gewagt und nach 13 Monaten pedalen, davon die Hälfte mit Linksverkehr, ging dies „ringer“ als ich dachte. Im Kühlschrank steht wieder eine
Flasche Martini, ich habe genüsslich den ersten Servelat mit Mayonnaise gegessen und auch die letzte Aktenzeichen XY Sendung bereits angeschaut.

Dass ich nun definitiv wieder in der Schweiz und nicht mehr in Indien bin, wurde mir als Fussgänger bewusst. Keine zwei Sekunden auf dem Trottoir wartend, hielten die Autofahrer bereits an und liessen mich freundlich über die gelben Streifen marschieren. 

Das einzige, was mir bereits schon wieder fehlt ist die Zeit. Dies war der grosse Luxus, den ich auf unserer Reise so genossen habe. Zeit zu haben, Zeit füreinander, für andere und für mich selbst. Ausserdem habe ich die wirklich kleinen Dinge schätzen gelernt. Es gibt nichts schöneres als morgens unter einer heissen Dusche stehen zu können, ein sauberes WC zu benützen und jederzeit genügend Strom zur Verfügung zu haben. Ich hoffe, dass mir diese Dinge noch lange nicht als selbstverständlich erscheinen.

Auch haben mich einige Leute schon gefragt, ob ich mich denn überhaupt noch auf die Arbeit freue. Die Antwort lautet definitiv JA, denn für mich beginnt ein neuer Abschnitt und dazu gehört nun mal die Arbeit. Es nützt auch nicht der Vergangenheit nach zu trauern, denn wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es in der Gegenwart zu leben und den Moment zu geniessen. Und sollte es doch manchmal schwierige Momente geben, habe ich tausend schöne Erinnerungen, die mich wieder aufheitern werden. Seien es die herzlichen Begegnungen in der Türkei, die immense Gastfreundschaft der Iraner, die unvergesslichen Landschaften, der Sternenhimmel über Kaschmir und die vielen im Winde wehenden Friedensflaggen auf den hohen Pässen in Ladakh.

Herzlichen Dank an alle, welche mit Interesse unser Abenteuer verfolgt haben und für die vielen Gästebucheinträge, die netten Mails und die Päckli mit süssem Inhalt. Bedanken möchte ich mich auch bei Alin und Lena und meinen Freunden, die mir einen wunderschönen Empfang bereitet haben.

Ein Dankeschön all den netten Menschen, die wir im Laufe unserer Reise getroffen haben, denn diese haben unsere Reise zu dem gemacht, was uns in Erinnerung bleiben wird.

Mein grösster Dank gehört jedoch Andi für seinen Mut mich auf dieses Abenteuer mit zunehmen. Mit ihm verbrachte ich eine unvergessliche Zeit mit Weinen und Lachen, bei Hitze und Kälte, bei Sonnenschein und Regen, auf schneebedeckten Pässen und am tosenden Meer, im Zelt unter freiem Himmel und in verlotterten Hotelzimmern, auf asphaltierten Strassen oder Schotterpisten, mit Rücken- oder Gegenwind und in Klöstern und Moscheen.

Danke Andi, ich konnte mich jederzeit 100 Prozent auf dich verlassen und „inschallah“
satteln wir unsere Räder irgendwann nochmals gemeinsam.

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Chiang Mai – Cha-am 2.- 21.06.2013

Nach fünf Tagen in Chiang Mai satteln wir zum letzten Mal zu zweit unsere Stahlesel und nehmen den Weg Richtung Süden unter die Räder. Die ersten zwei Tage überraschen uns mit hügliger Topographie und schweisstreibenden Temperaturen von bis zu 40 Grad. Dennoch geniessen wir unsere Fahrt vorbei an Reisfeldern, unzähligen Wats, riesigen Buddhas und üppigen Regenwäldern.

Wir legen eine erste Pause in Sukhothai ein, wo von der Mitte des 13. bis ins späte 14. Jahrhundert ein Königreich blühte. Sukhothai umfasst ein 45 km2 grosses Gebiet mit teilweise wieder aufgebauten Ruinen und gehört zu den am meisten besuchten antiken Stätten Thailands. Mit gemieteten Fahrräder sausen wir durch den eindrücklichen Geschichtspark.

Je weiter wir uns Bangkok nähern, desto dichter wird der Verkehr und umso mehr klettern die Temperaturen in die Höhe. Wir sind überrascht, dass wir praktisch nur neuen, bulligen Autos begegnen, wovon die Mehrheit Pickups sind. Im Gegensatz zu Indien sind die thailändischen Fahrer überaus rücksichtsvoll und auch das stressige Hupen der letzten fünf Monate von Mumbai bis Ladakh vermissen wir überhaupt nicht. So geniessen wir unsere Fahrt auch wenn der Wechsel in dieses feuchtwarme, subtropische Klima uns müde macht. Trotzdem fahren wir mit einem Schnitt von 100 Kilometern pro Tag und stellen mit 141 Kilometer sogar einen neuen ride2east Rekord auf.

Auch unsere vorgängigen Inspektionen bei der Hotelsuche müssen wir nicht mehr so gründlich durchführen, weil wir immer saubere Zimmer vorfinden und dies zu gleichen oder sogar tieferen Preisen als in Indien. Jeden Morgen freuen wir uns auf auf eine leckere Nudelsuppe zum Frühstück an einem der vielen Strassenstände und stürzen uns während der Fahrt unter der brütenden Sonne in jedes auftauchende Amazon-Café (ungefähr alle 30 Kilometer bei bestimmten Tankstellen), um uns mit einem Ice Cappuccino herunter zu kühlen.

Nach über 1’000 Kilometern erreichen wir die kleine, am thailändischen Golf gelegene Fischerstadt Cha-am und quartieren uns im Seaside Guesthouse ein, wo wir dank dem deutsch – thailändischem Managerpaar in den Genuss von frischen Semmeln, Käse und Wurst zum Frühstück kommen. Da die Hauptsaison hier erst von Oktober bis Mai ist, sind wir fast die einzigen am Strand.

Die letzten Tage hier geniessen wir mit feinem Seafood essen, Sonne tanken, im Meer schwimmen und Mai Tai schlürfen (den letzten Alkohol haben wir in Istanbul getrunken).

Leider geht das ride2east Abenteuer in gut einer Woche in Bangkok zu Ende. Vreni fliegt von dort in die Schweiz zurück, während Andi für einen Tag nach Hong Kong fliegt, um das chinesische Visum zu beantragen. Er will von hier über Laos nach China radeln, um die Freiheit des Reisens noch etwas länger auszukosten. Ob und in welcher Form er seine Eindrücke und Erlebnisse online präsentieren wird, werden wir euch auf unserer Homepage bekannt geben.

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Leh – Chiang Mai 19.05. – 01.06.2013

Wie wir bereits im letzten Bericht erwähnt haben, besuchen wir am Montagmorgen die Aktion-Ladakh Schule in Spituk. Pünktlich um zehn Uhr ist der Morgenappell und die Kinder müssen sich in Reih und Glied auf dem Schulhof aufstellen. Die Schuluniformen sind gewaschen, die Fingernägel geschnitten und die Taschentücher mit dabei, denn jeweils am Montag ist die grosse Kontrolle angesagt. Wir werden von der Schulleitung herzlich begrüsst und vorgestellt. Mit Anna, der Schweizer Volontärin, dürfen wir die verschiedenen Schulklassen besuchen und bekommen einen weiteren Einblick in die wertvolle Arbeit von Aktion-Ladakh. Diese hat es sich auch zur Aufgabe gemacht Lehrpersonen aus anderen Regionen in Form von Workshops weiterzubilden, um den Kinder einen optimalen Schulunterricht zu gewährleisten. Wir sind erfreut, dass wir dieses Projekt mit unserer Reise unterstützen konnten. Allen Spendern nochmals ein herzliches Dankeschön.

Die Tage in Leh vergehen wie im Fluge. Wir logieren in einem schönen Hotel und geniessen das Morgenessen jeweils in der Stube der netten ladakhischen Familie. Wir steigen zum hoch über Leh thronenden ehemaligen Königspalast und Kloster hinauf und nehmen an den Festlichkeiten zum Geburtstag von Buddha teil. Wir unternehmen eine letzte Fahrradtour zu den südlich von Leh gelegenen Klöstern Thiksey und Hemis, wo wir an den morgendlichen Gebeten um 06.30 Uhr mit den Mönchen teilnehmen. In Hemis können wir direkt neben dem Kloster unser Zelt aufschlagen und in Thiksey nächtigen wir im klostereigenen Guesthouse. Wir geniessen die ruhige buddhistische Atmosphäre, bevor wir wieder in die geschäftige und touristische Stadt Leh mit seinen bellenden Hunden zurückkehren.

Die letzten Tage in Leh verbringen wir mit Souvenir kaufen, tibetisch Essen und dem Verpacken unserer Fahrräder für den Weiterflug nach Thailand. Nach genau fünf Monaten verlassen wir Indien mit unzähligen schönen und vergesslichen Erlebnissen mit dem Flugzeug über die noch tief verschneiten Himalajaberge in Richtung Delhi. Da unser Anschlussflug nach Bangkok erst nach 19 Stunden erfolgt, müssen wir wie Tom Hanks im Film „Terminal“ fast einen Tag im Flughafen unsere Zeit totschlagen. Weil man das Gepäck nicht einfach in einer Ecke abstellen darf, stossen wir unsere zwei vollgepackten Rollys wie bei einer Prozession die ganze Zeit mit uns herum und sind für kurze Zeit DIE Attraktion im Flughafengebäude.

Wir landen anderntags um die Mittagszeit in Bangkok, wo wir ohne grosse Mühe zum Bahnhof radeln. Es ist herrlich ohne Gehupe und mit rücksichtsvollen Auto- und Motorradfahrern (an welchen es von Mumbai bis nach Leh gemangelt hat) durch die saubere Stadt zu sausen. Mit dem Nachtzug fahren wir weiter nach Chiang Mai, wo wir bei herrlichem Sonnenschein und heissfeuchten Temperaturen ankommen. Unser Hotel liegt inmitten der ruhigen Altstadt und wir haben bereits einen Rundgang durch Chiang Mai gemacht, uns wieder sommerlich leicht eingekleidet und von süss bis scharf ein paar Köstlichkeiten ausprobiert.

Unser Plan ist von hier in den Süden ans Meer zu fahren, von wo wir uns zum letzten Mal mit einem Reiseblog und Fotos melden werden.

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Srinagar – Leh 27.04. – 19.05.2013

Unsere Zeit in Srinagar verbringen wir mit Lesen, Schreiben und der Stadt entdecken. Wir geniessen unser Hausboot und machen eine Shikara Fahrt morgens um fünf Uhr zum schwimmenden Gemüsemarkt. Wir können sogar Vrenis hydraulische Bremse selber reparieren und so steht uns nach zehn Tagen für die Weiterfahrt nichts mehr im Weg.

Noch 450 Kilometer Abenteuer mit drei grossen Pässen liegen vor uns. Wir haben Respekt vor dieser Strecke, da wir nicht wissen, wie die Strassenverhältnisse sind und ob wir mit der Höhe zurechtkommen werden. Schon auf der ersten Tagesetappe nach Sonamarg werden wir verregnet und weil es unter diesen Umständen immer gefährlich ist den Zoji La zu überqueren, müssen wir einen Tag länger als geplant in diesem Nest ausharren.Wir mischen uns unter die vielen indischen Touristen und lassen uns von einem Pony einen kleinen Berg hochtragen. Der versprochene Gletscher entpuppt sich als halb geschmolzenes Schneefeld. Die geschäftstüchtigen Kaschmiris versuchen offenbar nicht nur die indischen Touristen für dumm zu verkaufen. Weil es hier auf 2’700 m.ü.M. abends empfindlich kalt wird, kriechen wir mit einer mit heissem Wasser gefüllten Pet-Flasche in unseren Schlafsack, welche uns bis in den Morgen hinein das Herz erwärmt.

Die Sonne schlummert noch hinter den Bergen als wir am nächsten Morgen zum Aufstieg unseres ersten grossen Passes starten. Die Fahrt führt uns entlang einer imposanten Bergkulisse und wir können uns kaum satt sehen und satt fotografieren. Auf den letzten fünf Kilometern der Serpentinenstrasse kommen wir nur noch schiebend vorwärts, da diese nur noch aus Schlamm und Morast besteht und bis zu 12% steil ist. Zu allem Übel werden wir genau auf diesem Streckenabschnitt von einem Konvoi mit hundert Militärlastwagen überholt. Wir müssen immer wieder an den Strassenrand ausweichen, wo es ohne Leitplanken lebensgefährlich den Abhang hinuntergeht. Nach sechs Stunden und mit nassen und kalten Füssen erreichen wir die tiefverschneite Passhöhe des Zoji La auf 3’550 m.ü.M.
Kurze Zeit später schon holen wir den Militärkonvoi wieder ein, da mehrere Lawinen die Strasse verschüttet haben. So heisst es Geduld üben bis ein Schneepflug auftaucht und die gewaltigen Schneemassen weggeräumt hat. Wir erreichen das 68 Kilometer entfernte Drass nach Sonnenuntergang, retten uns in die Wärme eines Hotels und stürzen uns heisshungrig auf das kleine aber feine Pouletstück mit Reis (seit über vier Monaten das erste Stück Fleisch).

Unsere weitere Strecke über Kargil nach Mülbekh führt uns durch kleine Bauerndörfer und an grün leuchtenden Gemüse- und Kornfeldern vorbei. Wir fahren entlang ausgetrockneter Flussbetten und
erblicken am Horizont immer wieder tief verschneite Berge. Mit Mulbekh erreichen wir das erste buddhistische Dorf. Die Häuser sind mit Friedensflaggen geschmückt und die Architektur wie auch das Aussehen der Menschen hat sich zu Kaschmir verändert. Wir sind definitiv in Ladakh angekommen.

Der nächste Tag nach Lamayuru ist der härteste auf unserer Reise, da wir mit dem Namika La (3’838 m.ü.M) und dem Fotu La (4’114 m.ü.M) die höchsten Pässe überqueren. Wir spüren die dünne Luft beim Aufstieg und müssen immer wieder einen Halt einlegen. Dafür ist die Freude umso grösser, als wir die mit Friedensflaggen verzierten Passhöhen geschafft haben. Unsere restliche Energie reicht sogar noch für ein kleines Tänzchen und eine Polonaise für die Videokamera. Bis Lamayuru können wir unsere stählernen „Yaks“ sausen lassen und finden ein freundliches Zuhause bei einer ladakhischen Familie. Abends nehmen wir das Essen am Boden sitzend um einen mit Yakdung beheizten Ofen ein. Die Abende sind kurz, da das Dorf nur von 19 -22.30 Uhr mit Strom versorgt wird. Wir besuchen das auf einem bizarren Felsen gebaute, über ganz Lamayuru thronende Kloster. Wir geniessen das einfache Leben und sind erstaunt mit wie wenig die Menschen glücklich sind. Da man in Ladakh Wasser sparen sollte, müssen auch wir unsere hygienischen Bedürfnisse aufs Minimum reduzieren. So gibt es nur einen heissen Eimer voll mit Wasser zum Duschen und Kleider waschen. Dafür kommt unser Deo zum doppelten Einsatz.

Die Weiterfahrt in Richtung Leh ist genauso imposant und unvergesslich wie die vorhergehende Strecke. Wir fahren weite Stücke entlang des türkisfarbenen Indus und nehmen uns viel Zeit zum Geniessen.

In Nimmo besuchen wir die erste der drei Schulen von Aktion Ladakh. Wir werden herzlich begrüsst und die Volontärin Karin aus der Schweiz stellt uns die Schule und den Kindergarten vor. Wir sind erfreut zu sehen wie gut Aktion Ladakh ihre Spendengelder einsetzt und sind stolz, dass auch wir dank unseren vielen Spendern einen Teil dazu beitragen können. Nächste Woche besuchen wir die Schule in Spituk und werden darüber noch berichten.

Nach genau 369 Tagen treffen wir mit den letzten Sonnenstrahlen in Leh ein. Hurra, wir haben es mit eigener Muskelkraft bis ins ehemalige Königreich Ladakh geschafft. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen! Nun wollen wir Leh und die Umgebung entdecken, die tibetischen Märkte unsicher machen, Buttertee schlürfen, Momos und Tupka essen.

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McLeod Ganj – Srinagar 4.4. – 24.4.2013

Länger als geplant bleiben wir in McLeod Ganj. Die herzlichen Tibeter, die friedvolle Stimmung und die vielen einladenden Verkaufsstände mit tibetischen Artikeln lassen uns hier die Zeit vergessen. Auf dem idyllischen Tempelweg, welcher um den Wohnsitz des Dalai Lamas führt, holen wir uns bei den vielen Gebetsmühlen Glück für unsere Weiterreise.

McLeod Ganj ist seit 1960 das Domizil des religiösen Oberhaupts von Tibet. Dalai Lama und Hunderttausende seiner Landsleute flohen infolge der chinesischen Besetzung ein Jahr zuvor nach Indien und hoffen noch heute irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Viele Tibeter erzählen uns von ihrer Flucht über den Himalaya durch knietiefen Schnee. Oft waren sie wochenlang unterwegs und hatten keine Ahnung wo sie sich befanden. Überall in McLeod Ganj sind grosse Plakate mit Bildern und Namen von Menschen aufgehängt, welche sich für ein freies Tibet in Form von Selbstverbrennung geopfert haben.

Mit unvergesslichen Erinnerungen und ohne Dalai Lama gesehen zu haben, verlassen wir frühmorgens McLeod Ganj. Viel zu schnell verlieren wir unsere hart erkämpften Höhenmeter wieder und werden mit der erdrückenden Hitze des Tieflandes konfrontiert. Bei 40 Grad rollen wir bis Pathankot, wo wir anderntags mit dem 05.15 Uhr Zug (welcher sich bei jeder Station etwas mehr füllt) ins rund 130 Kilometer südwestlich gelegene Amritsar holpern. Hier erwartet uns mit dem Goldenen Tempel ein weiterer Höhepunkt unserer Indienreise.

Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen und die obligate Kopfbedeckung montiert haben, dürfen wir das Haupttor betreten. Der erste Blick auf den inmitten eines kleinen Sees „schwimmenden“ Goldenen Tempel ist faszinierend. Mit seinen in alle vier Himmelsrichtungen öffnenden Eingangstoren symbolisiert er die Offenheit der Sikhs, wonach jeder Gläubige, egal welcher Religionsgemeinschaft oder Nationalität, im Tempel willkommen ist. In zwei riesigen Speisesälen werden täglich bis zu 20’000 Pilger und Besucher kostenlos verpflegt. Weiter können in der Tempelanlage gegen eine freiwillige Spende auswärtige Besucher übernachten. Wir erleben die Sikhs als angenehme, offene und kultivierte Menschen.

Nach nur gerade zwei Tagen in Punjab erreichen wir kurz nach Pathankot den nächsten Bundesstaat Jammu&Kaschmir. Es ist auch unsere letzte flache Etappe, bevor es nach Jammu wieder in die Berge geht und unser nächstes Ziel ist das 292 Kilometer entfernte Srinagar. Anstatt fünf Tage brauchen wir deren neun, weil wir zweimal wegen Magendarmkäfern pausieren müssen. Noch nie waren wir so froh um ein deckelloses WC und eine Toilette mit Fenster ohne Glaseinsatz für eine optimale Entlüftung. Dank Bananen, trockenen Biskuits, schwarzer Schokolade und Kohletabletten haben wir Montezumas Rache wieder in den Griff bekommen.

Die Strecke ist gespickt mit vielen Pässen, schlechten Strassenabschnitten, etlichen staubigen Baustellen, langen Militärkonvois und viel Verkehr. Misstrauisch bis bösartig gaffen uns die vielen am Strassenrand hockenden Affen nach, wie wir uns keuchend die steilen Strassen hochkurbeln. Zum ersten Mal haben wir das grosse Pech, dass Vandalen sich an Vrenis Fahrrad vergreifen. Als wir am Morgen in Kud abfahren wollen, bemerken wir das zerrissenen Schaltkabel und die defekte Vorderbremse. Auch das am Schutzblech aufgeklebte Glücksschwein fehlt. Obwohl wir die ganze Belegschaft des Hotels zusammentrommeln, will niemand davon etwas wissen.

Als wir den letzten Pass auf 2’250 m.ü.M. erreichen, trennt uns nur noch der 2.6 Kilometer lange, feuchte und stockdunkle Jawahar Tunnel von Kaschmir. Anderntags geht mit Srinagar für Vreni ein Traum in Erfüllung und für Andi ist es ein grosses Wiedersehen nach neun Jahren. Wir finden in einem der 1’200 schwimmenden Hausboote auf dem Dal Lake ein vorübergehendes Zuhause. Andi hat bereits viele alte Bekannte wieder getroffen und diese sind erstaunt, dass er es bereits zum zweiten Mal mit dem Fahrrad bis ins „Paradise of the world“ (wie die Kaschmiri immer behaupten) geschafft hat.

Die Strasse nach Leh soll auch schon bereits befahrbar sein, doch zuerst wollen wir Kaschmir und unser Hausboot geniessen, bevor wir unser letztes grosses Abenteuer in Angriff nehmen.

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McLeod Ganj 8.4.2013

Liebe Freunde

Sicher fragt ihr euch, was das ride2east Team seit bald elf Monaten eigentlich so den ganzen Tag macht und wie bei uns ein Tagesablauf aussieht.Wer Zeit und Lust hat, kann uns mit folgenden Zeilen einen Tag lang begleiten……

Um sechs Uhr klingelt der Wecker und weil wir noch viel zu müde sind, schaffen wir es mit Aufstehen erst, nachdem er uns fünf weitere Male aus dem Halbschlaf gerissen hat. Sportlich geht es bereits früh morgens mit unseren obligaten Bauchmuskelübungen und den Liegestützen los. Die letzteren absolvieren wir je nach Schmutzstufe des Zimmers auf dem Boden oder im Bett und wir hoffen, dass unsere Zimmernachbarn bei den ächzenden Geräuschen nicht auf falsche Gedanken kommen. Während Andi mit dem 1’000W Tauchsieder das Kaffeewasser kocht (Vreni hat immer Angst, dass die überforderte Steckdose auch gleich mitkocht) benutzt Frau die Zeit, um sich mit etwas Schminke reisetauglich zu machen.
Während des Kaffeeschlürfens stopfen wir die Schlafsäcke in die Hüllen und packen unsere sieben Sachen. Dann heisst es unsere elf Taschen, das Stativ, die Wasserflaschen, Andis Bambusstock, welcher gegen allfällige Hunde- oder Affenattacken und als kreativer Veloständer dient
wie auch die beiden Fahrräder zum Ausgang herunterzuschleppen. Oft kommt es vor, dass wir den auf einer Pritsche schnarchenden Nachtwächter erst wecken müssen, damit wir das Hotel überhaupt verlassen können. Nachdem wir unser Lastesel gesattelt haben und das GPS die nötigen Satelliten gefunden hat, treten wir langsam in die Pedalen und halten Ausschau nach einem bereits offenen Strassenrestaurant mit Aloo Prantha (meist etwas zu fettige, jedoch herrlich schmeckende Kartoffelomeletten) oder einem schönen Plätzchen, wo wir unser selbst gemixtes Müesli (etwas fettarmer und gesünder) geniessen können.
Die erste Herausforderung des Tages ist den richtigen Weg aus der Stadt zu finden. Nach 15 Kilometer gibt es meistens die erste Teepause mit Chips, was Süssem oder je nach Kalorienbedarf beidem. Während des Velonens gibt es allerhand zu sehen, hören und riechen. Über imposante Landschaften, fröhlich winkende Kinder, grundlos wild hupende Autofahrer, schwer krampfende Frauen auf Baustellen, ungeniert am Strassenrand pinkelnde und spuckende Männer und immer wieder heilige, mitten auf der Strasse tummelnde Kühe, welche wie mobile Verkehrsberuhiger wirken.
Mittagspause gibt es zwischen ein und drei Uhr in einem Restaurant, wo wir Reis mit Linsen oder chinesische Nudeln in uns hineinstopfen, um die verloren gegangene Energie wieder aufzutanken. Wir hoffen bis dann mindestens die Hälfte oder noch mehr der Tagesetappe geschafft zu haben. Als Ablenkung bei längeren Steigungen hören wir mit unserem MP3 Player Musik oder Hörbücher (während Vreni gedanklich meist Mördern hinterherjagt, ist Andi eher gemächlich mit Siddharta auf Wanderschaft).
Wir belohnen unsere Strapazen nachmittags meist mit einem süssen Lassi, bevor wir die restlichen Kilometer bis zu unserem, am Vortag bereits bestimmten Ziel unter die Räder nehmen. Fragt man einen Inder nach der richtigen Richtung können wir uns meist auf die Antwort verlassen, geht es aber um Angabe von Kilometer oder Steigungen ist es fast wie im Lotto.
Bei der Hotelsuche wechseln wir uns täglich ab und so ist wie ein kleiner Wettbewerb zwischen uns entstanden, wer das bessere und günstigere Zimmer findet. Kriterien die Punkte bringen sind: Sauberkeit, Betten ohne undefinierbare Flecken, einigermassen saubere Toiletten, mindestens ein Fenster, Steckdosen die funktionieren, Heisswasser auch abends und dass sich das Zimmer nicht im fünften Stock befindet (meist ist nur das Hochtragen des Gepäcks im Hotelservice inbegriffen). Andi ist etwas in Rückstand geraten, da bei seiner letzten Zimmerwahl unter dem Teppich Kakerlaken hervorkrabbelten, die Toilette verdächtig braune Spuren aufwies, auf dem Bettlaken eben diese undefinierbaren, im Lendenbereich störenden Flecken zum Vorschein kamen und dies alles für relativ teure 550 Rupien. Viel Zeit beim Einchecken raubt das Ausfüllen der speziellen Formulare für uns westliche Touristen (Angabe von Pass- und Visanummer sowie deren Ausstellungs- und Ablaufdaten, Wohnadresse, Name des Vaters, Telefonnummer, vorherige und nächste Reisedestination, Aufenthaltsdauer in Indien).
Bevor wir den Tag endgültig beenden und uns zurücklehnen können, müssen wir noch alle Batterien laden (Fotoapparat, GPS), Kleider waschen, einkaufen, unsere Reisestatistik nachführen und wenn das Hotelzimmer ganz arg ist (weil Andi ganz schlecht ausgelesen hat) das Bett mit unserem Insektenspray von den lästigen nachtaktiven Viechern entledigen.
Wenn wir Glück haben und unser Hotel über eine Internetverbindung verfügt, sind wir ganz gespannt, wer uns ein Mail geschrieben hat, ob der FC Basel wieder gewonnen (zur Freude von Vreni) oder der FC Luzern bereits den nächsten Trainer geschmissen hat. Beim Nachtessen planen wir meist die morgige Route und der letzte Höhepunkt des Tages ist das Bestaunen unserer geklickten Fotos.

Bei längeren Aufenthalten kommt noch das Tagebuchschreiben, die Homepage aktualisieren, Filme schneiden, Fotos archivieren, Veloservice machen, Haare färben und rasieren, Maniküre und Pediküre, Frau ein neues Blüsli oder T-Shirt kaufen, Mann seinen iPod mit neuen Podcasts nachfüllen, Postkarten und Mails schreiben und zu guter Letzt die Seele und Beine baumeln lassen dazu. Ihr könnt lesen….uns wird es nie langweilig.

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Shimla – McLeod Ganj 25.3. – 3.4.2013

In Shimla schlug während der britischen Kolonialzeit von März bis November das politische Herz des indischen Subkontinets, weil die High Socity ihren Wohnsitz hierhin verlegt hat, um der Hitze im Süden zu entkommen. Wir schnuppern etwas von dieser Zeit im Rhastrapati Niwas der ehemaligen Residenz des britischen Vizekönigs. 800 Bedienstete, darunter 40 Gärtner sorgten für das Wohlergehen der weissen Herren. Das imposante viktorianische Sandsteingebäude mit Teakholztäfelung aus Burma wird heute als Universität und Bibliothek genutzt.

Die Mall ist die Flanier- und Einkaufstrasse Shimlas, wo man alles bekommt, was das Herz begehrt und viele schöne Gebäude aus der Kolonialzeit die Strasse säumen. Diese Strasse ist autofrei, sodass der Lastenverkehr von Trägern verrichtet werden muss. Noch nie haben wir in Indien so eine saubere Stadt angetroffen und es herrscht hier sogar ein Spuck- und Rauchverbot.

Wir geniessen in unserem Lieblingscafé bei einer herrlichen Tasse Honig Cappuccino die imposante Aussicht in die steil abfallenden Täler Shimlas und werden Zeugen des Holi Festes, welches alljährlich im Februar oder März gefeiert wird. Es ist eines der fröhlichsten und farbenfrohsten Feste ganz Indiens. Zur Begrüssung des Frühlings wird ausgelassen mit Farbpulver um sich geworfen und man wünscht sich dabei „Happy Holi“. Auch wir werden nicht verschont und können so noch etwas die verpasste Fasnacht nachholen.

Schweren Herzens verlassen wir Shimla vier Tage später und nehmen das nächste Ziel McLeod Ganj unter die Räder. Trotz tausenden von Kurven, nie aufhörenden Auf- und Abfahrten gehört die 288 Kilometer lange Strecke zur anstrengendsten, aber schönster unserer bisherigen Reise. Wir fahren durch grün leuchtende Teeplantagen und entlang verschneiten Himalaya Bergen. Jeden Abend stauen sich die Wolken an diesen Bergen und es beginnt zu regnen und gewittern. Anderntags ist die Gegend meistens in dicken Nebel eingehüllt, doch nach kurzer Zeit lichtet sich dieser, und es scheint die Sonne und ein stahlblauer Himmel kommt zum Vorschein.

Bei einer steilen Abfahrt passiert das, was eigentlich nicht passieren sollte. Andis Bremskabel am Vorderrad reisst. So klappern wir die nächsten Kilometer alle Garagen und Werkstätten nach einem passenden Kabel ab. Obwohl wir jedes Mal unser kaputtes Reststück zeigen, würden uns die geschäftstüchtigen Inder vom nicht passenden Motorradbremskabel bis hin zum Autokupplungskabel alles andrehen, ob es nun passt oder nicht. Sie nicken mit dem Kopf, meinen überzeugend „no problem“ und denken „der kommt ja sowieso nicht mehr zurück“. Wir haben dann doch noch Glück und können den Schaden unter wachsamen Kinderaugen wieder beheben.

Nach 4483 Höhenmeter in fünf Tagen treffen wir nach einem letzten 10 Kilometer langen Aufstieg in McLeod Gan,j dem Domizil von Dalai Lama ein. Es wird auch „little Lasha“ genannt und ist die Hauptstadt der Exil-Tibeter geworden. Nach den vielen Hindutempeln tauchen wir nun in die buddhistische Welt ein.

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